FACHSTELLE ZWEITE LEBENSHÄLFTE

im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck



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23.09.2017
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Liebe Leserinnen und Leser, seit drei Jahren sind wir in der Landeskirche und darüber hinaus mit der Fachstelle unterwegs! Wir sind ganz erstaunt, wie groß unser Netzwerk geworden ist und wie uns dadurch inzwischen manches zufliegt. Man muss nur reden mit den Leuten! Oder etwas zusammen machen. Wir glauben, dass das Netzwerken die Grundlage für eine lebendige Arbeit mit Älteren ist. Wir sehen das gerade bei der Route55plus. Und bei einem Projekt, das wir Ihnen das nächste Mal vorstellen werden: Dem Reisekoffer in den Sozialraum. Kommen Sie doch am 6.10. nach Kassel-Niederzwehren! Zum Netzwerken-Lernen und Brücken bauen!

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Wie hälst Du es mit dem Totenhemd?

Liebe Leserinnen und Leser, Frau Sinsels Lachen schallte eben durch sämtliche Türen: Beim Öffnen der Post flatterte „Sie hat mir der Himmel geschickt! – Karikaturen zu Sterben, Tod und Trauer“ auf ihren Schreibtisch. Kostprobe gefällig? „Was wird von mir nach meinem Tode bleiben? Ich könnte dich auf meiner Festplatte unter Elke abspeichern!“ Zuvor hatten wir die Fachstelle mit Girlanden zum Tag der Toten/ Dia de los Muertos geschmückt. Sowas kann man mit Frau Sinsel super machen. Sie hat überhaupt keine Scheu, sich den Themen des Sterbens spielerisch zu nähern. Und genau dazu möchten wir Sie heute auch anstiften: Mit anderen übers Sterben zu reden. Mit Leichtigkeit – und dennoch mit Tiefgang. Ihre Annegret Zander, Andreas Wiesner und Angelika Sinsel

In dieser Post
• Thema: Wie hältst du es mit dem Totenhemd? oder: Kann man auch leicht übers Sterben reden?
 Rund ums Totenhemd
• Veranstaltungstipp Fachtag „Im Alter gemeinsam gut leben“
• Silberschmiede – Methoden, Impulse, Material
• Eine Prise – Aufreger
• Fundstück: Hans Albers singt vom letzten Hemd
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Thema: Wie hältst du es mit dem Totenhemd? oder: Kann man auch leicht übers Sterben reden?
(AZ)
Vor Jahren saß ich abends beim Kochen am Küchentisch eines guten Freundes. Der hatte mit 60 gerade erst eine Hirnblutung überlebt und lernte nun mit den Folgen zu leben. Während wir so am Schnippeln und Rühren waren, fragte er in die Runde: „Und wie wollt ihr so beerdigt werden?“ Ich weiß nicht mehr, was ich damals genau geantwortet habe. Meine Vorstellungen zu meiner Bestattung haben sich seither mehrfach geändert. Aber mich ließ nie mehr die Erinnerung an die Leichtigkeit dieses Abends los.
 
Wir reden jetzt ständig übers Sterben
So hätte ich es gerne immer mit diesem Thema, dachte ich damals. Inzwischen habe ich mit meiner Freundin Petra Schuseil einen Blog gestartet „Totenhemd – Blog. Übers Sterben reden“. Seit Januar forschen, telefonieren und schreiben wir rund ums Sterben. Mit einer Frage ging es los: Früher hatten die Menschen in ihrem Wäscheschrank bereits ein Leinenhemd für den Sarg - ihr Totenhemd - liegen. Es war eine tägliche Erinnerung an die eigene Sterblichkeit. Mit dem Einzug von Polyester und deren Schwestern in den 50er Jahren verschwand dieser Stoff und diese Tradition – und damit auch die Selbstverständlichkeit, mit der der Tod im Leben seinen Platz hatte.
Eine meiner Küchentisch-Theorien ist, dass die beiden Weltkriege mit all ihren Toten den Überlebenden so zu viel wurden, sie so verfolgten, dass sie das Sterben lieber aus ihrem Leben verdrängten. Eine Überlebensstrategie. Die wir nun nicht mehr brauchen. Es wird wichtig, dass wir das Sterben ins Leben zurückholen, bevor noch mehr Menschen ihr Sterben anderen gegenüber für unzumutbar halten – und lieber frühzeitig aus dem Leben treten wollen. 

Das letzte Hemd – wir wählen Kleider
Petra und ich haben schon Einiges durch den Blog erlebt. Zum Beispiel haben wir jetzt klar, was wir anziehen wollen, wenn wir tot im Sarg liegen: Petra ihr umgearbeitetes Hochzeitskleid mit roter Jacke aus Hong Kong, Annegret ihr Lieblingskleid  in Braun mit Kapuze, dazu die bunte Sterbedecke, die eigens noch schnell für den Anlass genäht wurde: Wir durften an einem Fotoprojekt des Bestattungsinstitut Pütz-Roth in Bergisch-Gladbach teilnehmen. „Das letzte Hemd“ wird ab April nächsten Jahres als Ausstellung zu sehen sein. So lagen wir auf einem Sargkissen, ich rückte die Haarsträhnen meiner Freundin zurecht und stellte berührt fest, wie wichtig es mir ist, dass sie schön aussieht. Eine Geste, die ich dermaleinst vielleicht an ihr wiederholen werde. Wir haben auch geklärt, dass wir auf keinen Fall eines von den Totenhemden anziehen möchten, die es bei Bestattern zu kaufen gibt. Weiß und rüschig. Bitte. Nicht.
 
Kann man zu viel übers Sterben reden?
Unser Blog hat monatlich 500 BesucherInnen, die offenbar in aller Ruhe in unseren Texten stöbern. Das zeigt uns, dass es ein Interesse daran gibt, anders an das Sterben heranzugehen. Mit Besucherinnen wurden in den Kommentaren schon heiße Diskussionen geführt, wie genau man seine Beerdigung vorbereiten sollte, ob man Angehörigen testamentarisch vorschreiben darf, dass sie nichts Schwarzes anziehen und nicht weinen sollen. Petra hat diverse Praktika beim Züricher Friedhof und Krematorium hinter sich. Letzteres hat ihr dann erst mal den Rest gegeben. Aber inzwischen forscht sie wieder in jede Richtung. Fällt es uns dadurch leichter, mit anderen übers Sterben zu reden?
Es gab Zeiten, da dachte ich, ich falle komplett aus der Gesellschaft, weil ich mich mit „so einem Thema“ so intensiv beschäftige. Allerdings habe ich durch meinen Satz  „Ich schreibe jetzt diesen Blog …“ sehr viel Interesse bei Freundinnen und Menschen, denen ich durch meine Arbeit begegne, erfahren und viele interessante Gespräche geführt.
Mit der Familie ist es immer noch schwierig. Nur meine alte Tante steigt mit ein, denn sie hat alles, was man so regeln kann, geregelt. Je näher man sich steht, desto schwieriger ist es, übers Sterben zu reden. Aber es geht. Und immer, wenn es geschieht, hat es uns einander näher gebracht.
 
Wenn ich drüber rede, sterb´ ich bestimmt!
Ich werde nicht müde, eine weitere Küchentisch-Theorie auszubreiten: Ich glaube, wir reden auch nicht übers Sterben, weil wir denken, dass dann unweigerlich der Tod kommt und uns holt.  Das ist so eine Art magisches Denken. Nun ja… Ich lebe noch. Alle anderen mit denen ich sprach auch. Aber natürlich steht der Knochenmann mit der Sense überall herum. Im Mittelalter gab es viele Abbildungen mit dem Sensenmann. Sie machten deutlich, dass es jede/n jederzeit treffen kann. Wir sind endlich. Insofern kann ich sagen: Ich sterbe bestimmt. Das ist das einzige was sicher ist. Und weil ich mich damit beschäftige, denke ich immer mehr über das Leben nach, das was mir wichtig ist, was ich nicht aufschieben will, was mich lebendig macht, mir Lebenslust und Tiefe schenkt.
Und das ist ein großer Gewinn.
 
Bestattung muslimischer Perspektive: Seid ihr wahnsinnig?
Eine Anekdote muss ich noch loswerden:  vor Kurzem war unser Infoabend zum Grundkurs Erwachsenenbildung in Hanau (den ich Ihnen noch mal sehr ans Herz legen möchte! Anmeldeschluss ist der 1.12.!). Unter den Teilnehmenden eine Muslima aus der Nachbarschaft. Ich freue mich schon, mit ihr zu lernen. Zum Beispiel dies:
Am Tag des Friedhofs erkundigte sie sich über die Gepflogenheiten einer typisch deutschen Beerdigung und war entsetzt wie umständlich dies sei:
- einen Sarg aus 10 Varianten wählen,
- wie soll der Sarg ausgestattet werden,
- den Bestattungsort wählen,
- die Bestattungsform (mit Grabmal, Familiengrab, Urnengrab, anonym, Friedwald, See etc) entscheiden
-  Was zieht man dem/der Verstorbenen an?
Um nur einiges zu nennen. Und das sei ja unfassbar teuer! Völlig verrückt!
Bei den Muslimen sei das einfach: ein schlichter Holzsarg, der immer wieder verwendet würde, ein Leichentuch, in dem die Toten in der Erde bestattet werden. Fertig. Sie habe für sich (Mitte 40) und ihre Angehörigen im Übrigen schon lange eine Sterbeversicherung laufen, 50 Euro im Jahr und am Ende sei die ganze Bestattung inklusive Rückführung in die Türkei schon bezahlt. Ganz einfach.
 
Ich freue mich auf viele weitere Erkenntnisse und Gespräche und hoffe, Sie zetteln dies auch immer wieder mal an, am Küchentisch, bei einem geplanten Gespräch mit der Familie, bei zufälligen Bekanntschaften, mit dem besten Freund, in Ihrer Seniorengruppe. Und ich hoffe, Sie spüren, wie wertvoll das ist.
 
Hier geht’s zum Totenhemd-Blog
Im November haben wir übrigens GastschreiberInnen zu Besuch. Vielleicht mögen Sie auch noch mitmachen?
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Rund ums Totenhemd
 
Veranstaltungstipp
Donnerstag, 05.11.2015, 15:00 - 18:00 Uhr in Hanau
Friedhofserkundung und ein Totenhemd
Hier können Sie nächste Woche gleich „üben“ und viele Anregungen für sich persönlich und Ihre Gruppe mitnehmen.
Mehr Infos hier.
 
Buchtipps
„Sie hat mir der Himmel geschickt! Karikaturen zu Sterben, Tod und Trauer“
5 Euro, von der Hospiz-Akademie Bamberg, super Gesprächseinstiege
Hier anschauen und bestellen.
 
Am Ende ist nicht Schluss mit lustig. Humor angesichts von Sterben und Tod
von Harald-Alexander Korps
Hier reinschauen, beim Buchhändler Ihres Vertrauens kaufen

Drei Liter Tod. Mein Leben im Krematorium
Juliane Uhl arbeitet im Krematorium. Was sie dort und daraus lernt, hat die junge Frau in ein Buch gefasst
Hier nachschauen.
 
Shopping
Superskull - Onlineshop
So kann man der Toten auch gedenken: süß, bunt, lebensnah
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Veranstaltungstipp Fachtag „Im Alter gemeinsam gut leben“

Sehen wir uns am Mittwoch, den 04.11.2015 in Mainz?
Zum Fachtag IM ALTER GEMEINSAM GUT LEBEN.
Kirchengemeinden und Diakonie als Mitgestalter zukunftsfähiger Kommunen
 
Kommunen sind heute in besonderer Weise herausgefordert, die Sozial- und Seniorenpolitik vor Ort in den Blick zu nehmen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist ein sinnvolles und vernetztes Agieren vieler Beteiligter vor Ort gefragt, um die Sorge und Mitverantwortung in der Kommune gemeinsam zu gestalten.
Grundlage der Fachtagung sind die Grundlinien und zentralen Themen des 7. Altenberichtes, anhand derer die Rolle der Kommunen und Kirche in der Daseinsfürsorge diskutiert wird:
- Welche Rolle kann Kirche und Diakonie bei der Entwicklung „Sorgender Gemeinschaften“ spielen?
- Wie lässt sich Gemeinwesenorientierung umsetzen?
- Mit welchen Konzepten können Kommunen ihren alten und hilfebedürftigen Bürgern zur Seite stehen?
- Wie regen sie zur Mitgestaltung und Mitverantwortung an?
- Führt der politische Appell an Freiwilliges Engagement zu dessen „Verzweckung“?
Alle Informationen zu Referenten und Workshops finden Sie hier.
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Silberschmiede – Methoden, Impulse, Material
Thema der Novembersilberschmieden in Fulda und Kassel, zu der wir Sie auch einladen, wenn Sie etwas weiter weg wohnen: Jahresplanung 2016: Ideen—Methoden—Material
Für Ehren– und Hauptamtliche in der offenen und stationären Arbeit mit Älteren

Gemeinsam sammeln wir Anregungen für Ihre Jahresplanung 2016 und besprechen die Vorteile einer langfristigen Planung.
 
Wir bitten Sie mitzubringen:
- Etwas aus Ihrem Programm 2015 (eine Methode, Thema, Erfahrung, kleine Idee oder ausgearbeitetes Programm), das Ihnen in Ihrer Gruppe gut gelungen ist oder viel Freude gemacht hat.
- Falls Sie als Gruppenleitung am Anfang stehen: eine Idee, die Sie gerne mal ausprobieren würden.
- Wenn vorhanden, bringen Sie bitte auch Ihre Programmübersicht von 2015 (Flyer o.ä.) mit.
Mit Hilfe einer Methode, die sich „Speed-Dating“ nennt, werden wir uns gegenseitig inspirieren: Denn nichts geht über Erfahrungen - es sei denn die Freude am gemeinsamen Austausch und Weiterentwickeln von Ideen mit Gleichgesinnten. Natürlich bringen auch wir leicht umsetzbare Ideen mit und freuen uns, dass der Evang. Büchereiverband uns interessante Bücher und Materialien vorstellen wird.
 
Fulda
Donnerstag, 12.11.2015, 18:15 - 20:45 Uhr in Fulda
Ort: Treffpunkt Gemüsemarkt, Kanalstraße 38, 36037 Fulda
 
Kassel
Donnerstag, 19. November 2015 oder Dienstag, 24. November 2015 (Wdh.),
jeweils von 14:30 bis 17:30 Uhr
Ort: Haus der Kirche, Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel

Information und Anmeldung
Bei Frau Sinsel, Telefon: 06181—969120, zweite.lebenshaelfte@ekkw.de

                                                                                     


Eine Prise – Aufreger
Eine Prise Salz, Zucker, Backpulver oder Schnupftabak. Hier gibt es Spirituelles, Kulturelles, Quergedachtes. Heute zwei Aufreger

Bevor Sie sich endlich an Ihre Patientenverfügung setzen, empfehle ich Ihnen diese Lektüre: "Die vier Phasen von "Ich regel jetzt mal alles"

Und hier noch mein Aufreger des Monats Oktober
Der Film „Am Ende ein Fest“ – Ein Plädoyer gegen aktive Sterbehilfe

Fundstück
Ach Hans…
Hans Albers - Das Letzte Hemd hat leider keine Taschen 1957